Die Stunde Null

8. Mai 1945 - Deutschland nach dem Krieg

8. Mai 2015 [aktualisiert 2019-05-08]

Am 08. Mai 1945 trat die ei­nen Tag zu­vor ver­ein­bar­te be­din­gungs­lo­se Ka­pi­tu­la­tion der deut­schen Wehr­macht in Kraft. Der 2. Welt­krieg in Deutsch­land war zu En­de, die na­tio­nal­so­zia­li­sti­sche Schre­ckens­herr­schaft Ge­schich­te.

Zerstörtes Dresden

Fast 70 Mio Men­schen ver­lo­ren nach Berechnungen von Historikern im Krieg ihr Le­ben, 25 Mio Soldaten und mehr als 40 Mio Zivilisten, dar­un­ter et­wa 6 Mio Ju­den durch den Ho­lo­caust. Noch weit­aus mehr büß­ten Ge­sund­heit, An­ge­hö­ri­ge, Hei­mat, Ob­dach, Hab und Gut ein. Mil­lio­nen Frau­en ver­lo­ren ih­re Män­ner, Müt­ter ih­re Söh­ne, Kin­der ih­re Vä­ter. Die Op­fer­zah­len un­ter den Zi­vi­li­sten - Frau­en, Män­ner, Kin­der und Al­te - wa­ren so­gar noch hö­her als die­je­ni­gen un­ter den Sol­da­ten. Den höch­sten Blut­zoll ins­ge­samt muss­ten Russ­land (27 Mio), Chi­na (13.5), Deutsch­land (6.4 bis 9,5), Po­len (6), Ja­pan (3.8) und In­dien (3) ent­rich­ten. Zig Mil­lio­nen Über­le­ben­de tru­gen Ver­wun­dun­gen an Leib und See­le da­von.

Psy­chi­sche und po­li­ti­sche Schä­den und Trau­ma­ta ver­er­bten sich auf nach­fol­gen­de Ge­ne­ra­tio­nen und dau­ern an bis auf den heu­ti­gen Tag.
 

Die Stunde Null

Deutschland zur Stunde Null

 

Die Ver­bre­chen der Be­frei­er

Krieg kennt kei­ne Gna­de und kei­ne Moral und macht kei­nen Un­ter­schied zwi­schen Schul­di­gen und Un­schul­di­gen. Ver­ant­wort­lich sind meist nur ei­ni­ge we­ni­ge, aber vie­le ma­chen mit und da­für bü­ßen müs­sen al­le.

Flä­chen­bom­bar­de­mets und Bom­ben­an­grif­fe auf Städ­te, bei de­nen die Zi­vil­be­völ­ke­rung das Haupt­an­griffs­ziel ist, gel­ten et­li­chen Hi­sto­ri­kern als Kriegs­ver­bre­chen.

Des öf­te­ren wirden vor wich­ti­gen Ge­fech­ten so­wohl von Sei­ten der Ach­sen­mäch­te als auch von Sei­ten der Al­li­ier­ten of­fi­ziell oder in­of­fi­ziell die Pa­ro­le 'Kei­ne Ge­fan­ge­nen' aus­ge­ge­ben.

Ge­gen En­de des Krie­ges er­eil­te die Deut­schen die Ra­che der Sie­ger. Die Sol­da­ten al­ler al­li­ier­ten Sie­ger­mäch­te ver­üb­ten Kriegs­ver­bre­chen an Sol­da­ten und Zi­vi­li­sten. Etwa 1.3 Mio der ca. 11 Mio deut­schen Kriegs­ge­fan­ge­nen kehr­ten nicht wie­der heim, wo­bei die Sterb­lich­keit der ca. 7.5 Mio Sol­da­ten in west­al­li­ier­ter Ge­fan­gen­schaft nach of­fi­ziel­len Zah­len zwi­schen we­ni­ger als ei­nem und drei Pro­zent (Frank­reich) lag, bei den gut 3 Mio in rus­si­scher Kriegs­ge­fan­gen­schaft be­find­li­chen Sol­da­ten hin­ge­gen bei ei­nem Drit­tel. Dies lag mög­li­cher­wei­se zum Teil auch an der lan­gen Dau­er der Ge­fan­gen­schaft. Die letz­ten Kriegs­ge­fan­ge­nen kehr­ten erst 1955 auf Ini­tia­ti­ve des da­ma­li­gen Bun­des­kanz­lers Kon­rad Ade­nau­er aus Russ­land heim. Etwa 1.3 Mio deut­sche Mi­li­tär­an­ge­hö­ri­ge gel­ten bis heu­te als ver­misst.

Doku: 'Die Ver­bre­chen der Be­frei­er' »ZDF Me­dia­thek (»Ersatzlink). Hier ein weiteres Video zum Thema 'Alliierte Kriegsverbrechen': (»Rheinwiesenlager)
 

Kontroversen gibt es bei den Darstellungen über die meist von den Amerikanern im Sommer 1945 eingerichteten, später auch von Briten und Franzosen betriebenen provi­sorischen Kriegs­ge­fan­ge­nen- Lagern in den sum­pfigen Rhein­wiesen, den sogenannten 'Rhein­wiesen­lagern'. Dort waren die Zustände insbesondere in den ersten Wochen katastrophal. Weder gab es Unter­künfte noch Sanitäre Anlagen noch aus­reichend Nahrung. Insgesamt wurden dort wohl 1 Mio Menschen oder mehr festgehalten. Die Schätzungen, wie viele Menschen dort umkamen, gehen weit auseinander. Meist werden Opferzahlen zwischen 8.000 und 40.000 genannt, einige meinen, dass es erheblich mehr gewesen sein könnten.

Sexuelle Gewalt

Nach zu­rück­hal­ten­der Schät­zung wur­den fast 1 Mio deut­sche Frau­en von Ame­ri­ka­nern, Bri­ten, Fran­zo­sen und Rus­sen ver­ge­wal­tigt, schreibt die Hi­sto­ri­ke­rin Mi­riam Geb­hardt in ih­rem Buch 'Als die Sol­da­ten ka­men'. An­de­re For­scher ge­hen gar von über 2 Mio ver­ge­wal­tig­ten deut­schen Frau­en aus, wo­bei über ein Drit­tel von ih­nen mehr­fach ver­ge­wal­tigt wur­de.

Aufgrund der Ver­ge­wal­ti­gungs- und Ge­walt­ex­zes­se ge­gen Kriegs­en­de kam es zu ei­ner Wel­le von Selbst­mor­den un­ter den schutz­los den al­li­ier­ten Sol­da­ten aus­ge­lie­fer­ten deut­schen Frau­en und Fa­mi­lien. In Dem­min (Meck­len­burg- Vor­pom­mern) wü­te­ten Sol­da­ten der Ro­ten Ar­mee nach dem Ein­marsch am 30. April in den dar­auf fol­gen­den Wo­chen der­art bru­tal, dass sich um 900 Dem­mi­ner, das sind 6% der Ein­woh­ner, das Le­ben nah­men. Die mei­sten gin­gen ins Was­ser der Tol­len­se oder Pee­ne.

Im Süd­we­sten tob­ten sich fran­zö­si­sche Sol­da­ten aus. In Freu­den­stadt wur­den Frau­en und Mäd­chen ta­ge­lang von ma­rok­ka­ni­schen Sol­da­ten miss­braucht, in Stutt­gart und Pforz­heim kam es zu Mas­sen­ver­ge­wal­ti­gun­gen, in Karls­ru­he wur­den täg­lich hun­der­te von Frau­en, oft­mals im Rah­men von Plün­de­run­gen zu se­xu­el­len Hand­lun­gen ge­nö­tigt. Schließ­lich wur­den von der Mi­li­tär­ver­wal­tung Bor­del­le ein­ge­rich­tet, in de­nen jun­ge Frau­en und Mäd­chen, die man will­kür­lich auf der Stra­ße auf­griff, zum Lie­bes­dienst ge­zwun­gen wur­den.

Nach gro­ben Schät­zun­gen wur­den in Deutsch­land wäh­rend der Be­sat­zung durch die Al­li­ier­ten ins­ge­samt min­de­stens 160.000 Be­sat­zungs­kin­der (250.000) ge­bo­ren, wo­bei es al­ler­dings unklar ist, ob der Groß­teil der Kin­der aus Lie­bes­be­zie­hun­gen oder einvernehmlichen Kontakten her­vor­ging oder im Rah­men von Ver­ge­wal­ti­gun­gen ge­zeug­t wurde. Dem Wunsch junger Frauen, unter Gewalt oder Drohungen gezeugte Föten abzutreiben, wurden zunehmend verständnisvoll begegnet.

 

Verbre­chen der Wehr­macht

Die deut­sche Wehr­macht und vor al­lem die Ver­bän­de der Waf­fen- SS be­gin­gen auf ih­rem Marsch durch Eu­ro­pa un­ge­heu­er­li­che Kriegs­ver­bre­chen an ge­fan­gen ge­nom­me­nen Sol­da­ten, Par­ti­sa­nen, Zi­vi­li­sten und ins­be­son­de­re im Rah­men der Ju­den­ver­fol­gung und -ver­nich­tung.

Von den über 5 Mio rus­si­schen Sol­da­ten in deut­scher Kriegs­ge­fan­gen­schaft ka­men fast zwei Drit­tel (3.3 Mio) um, 80.000 ge­fan­gen ge­nom­me­ne jü­di­sche An­ge­hö­ri­ge der Ro­ten Ar­mee wur­den er­mor­det. Von den ca. 230.000 von der Wehr­macht in­ter­nier­ten Sol­da­ten der West­al­li­ier­ten star­ben et­wa 3% in Ge­fan­gen­schaft. Dar­über hin­aus wur­den un­zäh­li­ge Par­ti­sa­nen, die kei­nen Sta­tus als Kriegs­ge­fan­ge­ne be­sa­ßen so­wie tat­säch­li­che und ver­meint­li­che zi­vi­le Un­ter­stüt­zer und Kol­la­bo­ra­teu­re, oft ge­nug ein­zig und al­lein zum Zwe­cke der Ab­schre­ckung, vor allem in Russ­land, Po­len, Ost- und Süd­eu­ro­pa so­wie in Frank­reich, Bel­gien und an­ders­wo hin­ge­rich­tet.

Die Verbrechen der Wehrmacht
 

Sexuelle Gewalt

Se­xu­el­le Ge­walt spiel­te auch bei der Wehr­macht ei­ne nicht un­er­heb­li­che Rol­le, je­doch gibt es hier we­nig be­last­ba­res Zah­len­ma­te­rial. Gut 5.000 Wehr­machts­an­ge­hö­ri­ge wur­den we­gen ent­spre­chen­der De­lik­te be­langt, die Dun­kel­zif­fer dürf­te um ein viel­fa­ches hö­her lie­gen, zu­mal ein der­ar­ti­ges Vor­gehen in der Re­gel als Ka­va­liers­de­likt galt und Bor­del­le für Of­fi­zie­re und Mann­schaf­ten ganz le­gal ein­ge­rich­tet wur­den, in de­nen häu­fig auch weib­li­che KZ-Häft­lin­ge ih­re se­xu­el­len Dien­ste an­bie­ten muss­ten.

Ver­schie­dent­lich ist von meh­re­ren hun­dert­tau­send bis mehr als 1 Mio 'Wehr­machts­kin­dern' die Re­de, wel­che von den 18 Mio deut­schen Sol­da­ten zwi­schen 1939 und 1945 im be­setz­ten Eu­ro­pa ge­zeugt wur­den, in vie­len Fäl­le je­doch ver­mut­lich eben­falls im Rah­men von ein­ver­nehm­li­chem Ge­schlechts­ver­kehr. So wurden etwa die deutschen Besatzungssoldaten in Norwegen regelrecht ermuntert, einvernehmliche Beziehungen zu jungen norwegischen Frauen einzugehen, da Norweger dem 'Führer' als Arier reinster Sorte galten.

 

Stun­de Null und Wie­der­auf­bau

In der Stun­de Null zähl­ten erst­mal nur noch die fun­da­men­ta­len mensch­li­chen Pri­mär­be­dürf­nis­se: Nah­rung, Woh­nung, Si­cher­heit, An­ge­hö­ri­ge. Bis 1948 präg­ten Hun­ger, be­eng­te Wohn­ver­hält­nis­se, die Su­che nach An­ge­hö­ri­gen und in den Win­ter­mo­na­ten die Käl­te das Le­ben der Men­schen.
 

Hunger­jah­re

Ob­wohl die länd­li­chen Re­gio­nen vom Krieg weit­ge­hend ver­schont ge­blie­ben wa­ren, san­ken die land­wirt­schaft­li­chen Er­trä­ge. Ge­rä­te und Ma­schi­nen wa­ren oft nicht ein­satz­be­reit, da es an Treib­stoff und Er­satz­tei­len man­gel­te, Dün­ge­mit­tel konn­ten nicht aus­rei­chend be­schafft wer­den und die Ge­trei­de­lie­fe­run­gen aus den Korn­kam­mern der ver­lo­re­nen Ost­pro­vin­zen ent­fie­len. Zwar pro­du­zier­ten die Bau­ern im­mer noch mehr als ge­nug für den Ei­gen­be­darf, für ei­ne aus­rei­chen­de Ver­sor­gung der gro­ßen Städ­te reich­ten die Über­schüs­se je­doch nicht. Zum Pro­blem ge­rin­ger Er­trä­ge ka­men au­fgrund der Schä­den in der Ver­kehrs- In­fra­struk­tur so­wie der Gren­zen zwi­schen den 4 Be­sat­zungs­zo­nen gra­vie­ren­de Ver­tei­lungs­pro­ble­me hin­zu. Ob­wohl den Bau­ern von den Al­li­ier­ten Ab­ga­be­quo­ten zur Be­lie­fe­rung der übri­gen Be­völ­ke­rung auf­er­legt wur­den, er­ging es der länd­li­chen Be­völ­ke­rung im All­ge­mei­nen hin­sicht­lich der Ver­sor­gung mit Le­bens­mit­teln we­sent­lich bes­ser als den Men­schen in den Städ­ten.

Die Le­bens­mit­tel­ver­tei­lung er­folg­te durch die Al­li­ier­ten über Le­bens­mit­tel­kar­ten, wel­che die Be­rech­ti­gung zum Er­werb von Le­bens­mit­teln re­gel­ten und je nach Tä­tig­keit des Be­zie­hers in 5 Nähr­wert- Ka­te­go­rien ein­ge­teilt wa­ren.

Deutschland - Nachkriegszeit 


Kalte Winter, knap­per Wohn­raum

Na­he­zu sämt­li­che grö­ße­ren Städ­te in Deutsch­land wur­den wäh­rend des Krie­ges durch Bom­ben­an­grif­fe be­schä­digt, vie­le In­nen­städ­te wie et­wa in Ber­lin, Dres­den, Köln, Mün­chen und an­ders­wo zu über 90% zer­stört. Ins­ge­samt wur­den 1/5 der Woh­nun­gen und Fa­bri­ken und 2/5 der wich­ti­gen Ver­kehrs­ver­bin­dun­gen, Stra­ßen, Schie­nen und Brü­cken zer­stört.

1.8 Mio Woh­nun­gen wa­ren un­be­wohn­bar und 3.6 Mio be­schä­digt, 20 Mio Men­schen von der Zer­stö­rung von Wohn­raum be­trof­fen. Hin­zu ka­men Mil­lio­nen von Ver­trie­be­nen ins­be­son­de­re aus den Ost­ge­bie­ten des Deut­schen Rei­ches, die ein Dach über dem Kopf be­nö­tig­ten. Für 14 Mio Haus­hal­te stan­den nach dem Krieg we­ni­ger als 8 Mio Woh­nun­gen zur Ver­fü­gung. Kel­ler, Dach­kam­mern, Ver­schlä­ge, Stäl­le - al­les wur­de als Wohn­raum ge­nutzt. In den Städ­ten muss­ten sich oft meh­re­re Fa­mi­lien ei­ne Woh­nung tei­len. Das größ­te Pro­blem war aber die Käl­te im Win­ter. Mo­bi­liar wur­de ver­heizt, so­gar Kla­vie­re, Brenn­holz des Nachts in um­lie­gen­den Ge­höl­zen ge­schla­gen und Koh­len auf dem Ge­län­de von Bahn­hö­fen 'or­ga­ni­siert'. Da die Men­schen zu­sätz­lich vom Hun­ger ge­schwächt wa­ren, stieg die Sterb­lich­keits­ra­te in den Win­ter­mo­na­ten in man­chen Re­gio­nen um 50%.
 

Schwarzmarkt

Der Super­markt der Nach­kriegs­zeit war der Schwarz­markt. Die wich­tig­ste Wäh­rung wa­ren Zi­ga­ret­ten, zu­meist ame­ri­ka­ni­sche der Mar­ke Lucky Stri­ke. Auf dem Schwarz­markt gab es so gut wie al­les, u.a. wur­den Brot, Fleisch, Le­bens­mit­tel und Le­bens­mit­tel­kar­ten ge­gen Kaf­fee, Schnaps, Ben­zin, Uh­ren und Schmuck ge­tauscht, wo­bei die Nach­fra­ge bei wei­tem das An­ge­bot über­traf. Be­gehr­te Wa­ren wie Zi­ga­ret­ten, Ge­nuss- und Le­bens­mit­tel stamm­ten von (ame­ri­ka­nis­chen) Be­sat­zungs­sol­da­ten, Bau­ern und manch­mal auch aus Raub­zü­gen und Dieb­stäh­len, als Kun­den tra­ten Bür­ger auf, die ih­re vor Plün­de­run­gen ge­ret­te­ten Wert­sa­chen ver­äu­ßer­ten. Schwarz­markt­han­del war ver­bo­ten und wur­de streng be­straft, oft­mals al­ler­dings ge­lang­ten be­schlag­nahm­te Wa­ren er­neut in den Han­del...
 

Suche nach Angehörigen

Die Su­che nach An­ge­hö­ri­gen er­fol­gte über­wie­gend über das In­ter­na­tio­na­le und im Fal­le Deutsch­lands über das Deut­sche Ro­te Kreuz, die Deut­sche Dienst­stel­le (WASt) und den in­ter­na­tio­na­len Such­dienst. Wei­te­re An­sprech­part­ner wa­ren bzw. sind der Volks­bund Deut­sche Kriegs­grä­ber­für­sor­ge und das Bun­des­ar­chiv- Mi­li­tär­ar­chiv. Such­li­sten von Ver­miss­ten wur­den u.a. an 'Zet­tel­wän­den' aus­ge­hängt. Man­che Fa­mi­lien fan­den ein­an­der nach Jah­ren wie­der, an­de­re er­fuh­ren nie wie­der etwas über das Schick­sal ih­rer An­ge­hö­ri­gen oder Lieb­sten.
 

Ent­mi­li­ta­ri­sie­rung und Ent­na­zi­fi­zie­rung

Für die Al­li­ier­ten wa­ren dar­über hin­aus ei­ne voll­stän­di­ge Ent­mi­li­ta­ri­sie­rung und Ent­waff­nung auch der Zi­vil­be­völ­ke­rung und die Ent­na­zi­fi­zie­rung Deutsch­lands von vor­ran­gi­ger Be­deu­tung, da man zu­nächst mit grö­ße­rem Wi­der­stand rech­ne­te und eine Art Volks­krieg oder Par­ti­sa­nen­kampf ge­gen die Be­sat­zer be­fürch­te­te. Die­se Be­fürch­tun­gen er­wie­sen sich je­doch als un­be­grün­det. Die Deut­schen wa­ren kriegs­smü­de.

Dar­über hin­aus wa­ren ins­be­son­de­re die drei eu­ro­päi­schen Sie­ger­mäch­te Eng­land, Frank­reich und Russ­land mit der Ver­sor­gung und dem Wie­der­auf­bau der ei­ge­nen Län­der be­schäf­tigt. Russ­land und Frank­reich de­mon­tier­ten in grö­ße­rem Um­fan­ge Pro­duk­tions­an­la­gen, um sie in ih­ren ei­ge­nen Län­dern wie­der auf­zu­bauen. Nach dem En­de des Krie­ges wur­den mehr Fa­brik­an­la­gen de­mon­tiert als im Krieg zer­stört wor­den wa­ren. Eng­land und die USA hin­ge­gen in­te­res­sier­ten sich vor al­lem für Pa­ten­te und Er­fin­dun­gen und zo­gen auf die­se Wei­se enor­me Wer­te aus Deutsch­land ab.
 

Beginn des Wie­der­auf­baus

Wäh­rend mehr als 10 Mio deut­sche Sol­da­ten in Kriegs­ge­fan­gen­schaft schmach­te­ten, mach­ten sich gleich nach Kriegs­en­de die so­ge­nann­ten 'Trüm­mer­frau­en' - die of­fi­ziel­le Be­zeich­nung lau­te­te 'Hilfs­ar­bei­te­rin­nen im Bau­ge­wer­be' - an die Auf­räum­ar­bei­ten. Nach neu­e­ren Ein­schät­zun­gen sol­len es zwar wohl we­ni­ger Trümm­er­frau­en und die Be­deu­tung ih­rer Tä­tig­keit ge­rin­ger ge­we­sen sein als lan­ge Zeit pro­pa­giert - denn bald über­nah­men pro­fes­sio­nel­le Un­ter­neh­men die Haupt­last der Kriegs­schutt- Be­sei­ti­gung und des Wie­der­auf­baus - aber den­noch ist ihr Ein­satz ins­be­son­de­re in den er­sten Ta­gen, Wo­chen und Mo­na­ten nach Kriegs­en­de hoch ein­zu­schät­zen, fin­de ich.

Ab Früh­jahr / Som­mer 1948 ging es bei der Ver­sor­gung mit Le­bens­mit­teln nicht zu­letzt auch dank des Mar­shall- Pla­nes spür­bar auf­wärts. Bis in die 1950er Jah­re hin­ein ar­bei­te­ten nun vor­über­ge­hend wie­der fast ein Vier­tel der Deut­schen haupt- oder ne­ben­be­ruf­lich in der Land­wirt­schaft. Die In­du­strie­pro­duk­tion er­reich­te dann im We­sten be­reits An­fang / Mit­te der 1950er Jah­re wie­der das Vor­kriegs­ni­veau und schritt von da an ra­pi­de vor­an. In den 1950er Jah­ren nor­ma­li­sier­te sich all­mäh­lich auch die Si­tua­tion bei der Wohn­raum­ver­sor­gung und die Bau­lü­cken in den Städ­ten wur­den nach und nach ge­schlos­sen, wo­bei zu­nächst ei­ne ein­fa­che und schlich­te Be­bau­ung über­wog.
 

Quel­len und wei­ter­füh­ren­de Links:

Zwei­ter Welt­krieg (Wi­ki­pe­dia)
Kriegs­ver­bre­chen der Al­li­ier­ten (Wi­ki­pe­dia)
Nem­mers­dorf (Zeit)
Hun­ger­jah­re (Re­gio­nal­Ge­schich­te.net)
Karls­ru­he 1945 - Zeit­ta­fel (hbg.ka)
Kriegs­ge­fan­ge­ne des Zwei­ten Welt­krie­ges (Wikipedia)
Heim­keh­rer (Wi­ki­pe­dia)
Sexu­elle Ge­walt im Zwei­ten Welt­krieg (Wi­ki­pe­dia)
Ver­ge­wal­ti­gun­gen im Zwei­ten Welt­krieg (DLF)

Unver­mu­te­te Über­grif­fe (Zeit)
Zyankali für das Volk (Welt)
Ver­ge­wal­ti­gung deut­scher Frau­en (lu­bo­cat­ti­vo)
Besat­zungs­kind (Wi­ki­pe­dia) 
Schat­ten­da­sein der Fein­des­kin­der (NZZ)

und wei­te­re Sei­ten vor al­lem in Wi­ki­pe­dia
 

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1 Kommentar

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Ruth
2015-05-09, 17:16:08
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http://www.emma.de/artikel/kriegsvergewaltigungen-das-vererbte-trauma-265107

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2017-03-23 [11], Schelm

Wie die Tür­ken nach Deutsch­land ka­men

Die erste Ge­ne­ra­tion der Ein­wan­de­rer aus der Tür­kei kam seit 1961 auf­grund ei­nes An­wer­be­ab­kom­mens zwi­schen der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land und der Tür­kei nach West­deut­schland.

2017-03-06, Zwiedenk

Kein Geld für Af­ri­ka

Drit­te Welt zwi­schen Un­mün­dig­keit, Aus­beu­tung und Ent­wick­lungs­hil­fe

2017-03-05, Schelm

Medien und ihre Macht der Ma­ni­pu­la­tion

"Eng ver­knüpft mit dem Be­griff Ma­ni­pu­la­tion ist der Be­griff Macht. Wer ma­chen kann, dass an­de­re et­was ma­chen, der hat Macht. Wer mit Me­dien und Me­dien­schaf­fen­den zu tun hat, der soll­te die Be­son­der­hei­ten jour­na­li­sti­scher Pro­duk­tion und Me­cha­nis­men mög­li­cher Ma­ni­pu­la­tion un­be­dingt ken­nen."

Juni 1997, rhetorik.de

Flirt der Kul­tu­ren

Ko­exi­stenz & Kul­tur­ge­ne­se im Plu­ra­lis­mus

2017-02-16, Schelm

Die große Völ­ker­wan­de­rung

Bassam Tibi, deutsch- sy­ri­scher Po­li­tik­wis­sen­schaft­ler, zu Fra­gen von Mi­gra­tion und In­te­gra­tion:

"Integration er­folgt im­mer in et­was, das heisst in ein Ge­mein­we­sen mit kul­tu­rel­ler Iden­ti­tät. Wenn Deutsch­land sei­ne Iden­ti­tät ver­leug­net, ist die Fol­ge klar: eine Un­fä­hig­keit zur In­te­gra­tion."

2017-01-15 [10], baz

Der Neue Mensch

Zur trü­ge­ri­schen Vi­sion mensch­li­cher Voll­kom­men­heit - Es­say

2017-01-15, bpb

BAMF: Über 700.000 Asyl­an­trä­ge in 2016

Neu­re­gi­strie­run­gen von Zu­wan­de­rern aus Nicht- EU- Län­dern gab es in 2016 et­wa 300.000.

2017-01-11, Schelm

Merkels Tote

Der Terror- An­schlag von Ber­lin: Was wir dar­aus ler­nen – und man­che un­se­rer Po­li­ti­ker nie.

2016-12-24, BAZ

Keine Trauer­fei­er für die Ter­ror- Op­fer von Ber­lin

Trump über Merkel

Europe’s man problem

"... one crucial di­men­sion of this [mi­gra­tion] cri­sis has gone litt­le - no­ticed: [...] sex ra­tios. [...] As an­thro­po­lo­gist Bar­ba­ra Mil­ler has per­sua­sive­ly ar­gued, a nor­mal sex ra­tio is a 'pub­lic good' and there­fore de­serves state pro­tec­tion. For Swe­den — or any other Euro­pean coun­try — to wind up with the worst young adult sex ra­tios in the world would be a tra­ge­dy for Euro­pean men and wo­men alike."
2017-01-13 [1/11/16], Pol
Europa hat ein Män­ner­pro­blem
[2016-01-15], Huff

Über­gut­mensch

Asyl und hu­­ma­­ni­­tä­­re Hil­­fe für Kriegs­flücht­lin­ge oder Neu­an­sied­lungs­po­li­tik und Be­stands­er­hal­tungs­mi­gra­tion ?

2016-11-03, WM

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