Diskurs in der Sack­gas­se

2016-03-06
2016-03-21 [Update]
2016-07-27 [Update]

Ich bin dann mal weg   Humanismus und Vernunft   Kein Experte. Niemand   Quäker   Sündenböcke statt Selbstkritik
 

Ich bin dann mal weg

Das ist ei­ne Er­fah­rung, die ich im­mer wie­der ma­che. Ich setze mich mit Be­für­wor­tern gren­zen­lo­ser oder je­den­falls mas­sen­haf­ter Ein­wan­de­rung sach­lich und freund­lich - ok, bis­weilen viel­leicht auch ein biss­chen sar­ka­stisch oder zu­ge­spitzt, aber nie bös­ar­tig oder gar be­lei­di­gend - aus­ein­an­der und zwi­schen­drin ge­hen dem Ge­gen­über die Ar­gu­men­te aus.

Das ist ja erstmal nichts ehren­rüh­ri­ges, denn es gibt prak­tisch keine ver­nünf­ti­gen Argu­mente für eine der­ar­ti­ge Asyl­politik (s.u.) außer: 'Wir schaf­fen das'. Das ist aber kein Argu­ment, sondern eine Durch­hal­te­pa­ro­le. Vor gut 70 Jahren lautete die noch 'End­sieg'. Statt dass nun aber in Er­man­ge­lung von Ar­gu­men­ten ein­fach mal Einsicht gezeigt wird - etwa in der Form: 'Ok, diese Info hatte ich bislang nicht' oder: 'Ja das habe ich in der Tat noch gar nicht bedacht' etc. - macht sich der, die oder das Gegen­über dann  un­ver­mit­telt aus dem Staub. Andere werden sogar be­lei­di­gend, was mir per­sön­lich al­ler­dings im­mer­hin eher sel­ten pas­siert.

Ich finde das sehr un­be­frie­di­gend: Fehl­ein­schä­tzun­gen und Irrtümer pas­sieren uns allen bis­weilen. Kata­stro­phen rühren aber in der Regel nicht aus Fehlern, sondern aus der man­geln­den Be­reit­schaft, Fehler zeit­nah ein­zu­ge­ste­hen und zu korri­gieren und un­sin­ni­ge Hal­tun­gen auf­zu­ge­ben. Das gilt im Kleinen wie im Großen. Und es ist im übri­gen auch einer der gra­vie­ren­den Mängel deutscher Kultur, die es nämlich durchaus auch in nicht geringer Anzahl gibt und die ich ebenso kriti­siere wie Mängel in anderen Kulturen: Diese unend­liche Dick- und Starr­köpfig­keit. Immer stur weiter zu mar­schie­ren auf dem Weg, den man ein­ge­schla­gen hat, selbst wenn man längst erkannt hat, dass es ein Irrweg ist. Nein, dann muss erst recht weiter mar­schiert werden! Bis alles in Scherben fällt. Da können wir uns wirklich mal eine Scheibe von den Süd­län­dern ab­schnei­den. Die sind da nicht so ver­bis­sen. Es sei denn, es geht um die wirk­lich wich­ti­gen Din­ge im Le­ben...

Wer einer Fehl­ein­schät­zung unter­liegt oder sich irrt, kann und sollte unbe­dingt in der Lage sein, sich zu korrigieren. Das ist unan­genehm und manch­mal ein biss­chen pein­lich, wenn es später als nötig geschieht, aber keine Schande und vor allem berei­nigt es die Situ­ation und eröff­net die Per­spek­tive, die Dinge bei­zei­ten wieder in Ordnung zu bringen. Wer sich hingegen ziert, Einsicht hinaus­zögert oder davon­stiehlt, ver­schärft und verewigt den Fehler und damit das Problem und über­lässt es anderen, den immer größer wer­den­den Scher­ben­hau­fen auf­zu­kehren, den er hinter­lässt. Das ist anderen und der Gemein­schaft gegen­über nicht gerade fair. Ich fürchte, genau das werden wir dieses Jahr noch häu­fi­ger erleben.
 

Humanis­mus und Ver­nunft

Wenn man ein­mal ei­nen Blick auf die Fak­ten wirft, so­weit sie über­haupt vor­lie­gen, und sie mit den Vor­aus­set­zun­gen, Ge­ge­ben­hei­ten, mensch­li­chen Er­kennt­nis­sen und mensch­heits­ge­schicht­li­chen Er­fah­run­gen in Zu­sam­men­hang und Über­ein­klang bringt, gibt es nicht ein ein­zi­ges ver­nünf­ti­ges Ar­gu­ment, wel­ches die der­zei­ti­ge Ein­wan­de­rungs- Asyl- und Flücht­lings­po­li­tik der Bun­des­re­gie­rung recht­fer­tigt.

Demo­gra­phie & Fach­kräf­te­man­gel

Kein wirt­schaft­li­ches - auf­grund des enor­men Bil­dungs­ge­fäl­les könn­te sich be­sten­falls die Nach­fol­ge- Ge­ne­ra­tion der ak­tu­el­len Ein­wan­de­rer auf dem Ar­beits­markt be­haup­ten und das mit dem Fach­kräf­te­man­gel ist ja nach wie vor so um­strit­ten & un­ge­klärt wie die Fra­ge, was in der Le­ber­wurst drin ist - kein so­zia­les, denn we­der wer­den de­mo­gra­phi­sche De­fi­zi­te mit der An­sied­lung jun­ger Män­ner ge­löst, da­zu bräuch­te es viel­mehr jun­ge Frau­en (ein­fach mal scharf nach­den­ken, wa­rum das wohl so ist) noch die Pro­ble­me ei­ner ma­ro­den So­zial­ver­si­che­rung da­durch be­ho­ben, dass man den Weg­fall von Lei­stungs­er­brin­gern mit der Her­ein­nah­me von Lei­stungs­be­zie­hern kom­pen­siert

Hu­ma­nis­mus

Und auch kein hu­ma­ni­sti­sches, denn Hu­ma­nis­mus ist be­kannt­lich kei­nes­falls des Er­zeu­gen von mensch­li­chem Ge­gen­ein­an­der, son­dern die An­wen­dung ver­nünf­ti­ger Prin­zi­pien auf das mensch­li­che Mit­ein­an­der. Soll die­ses ge­lin­gen, so braucht es zu­nächst ein­mal ei­nen ge­samt­ge­sell­schaft­li­chen Dis­kurs, aus dem Ak­zep­tanz, ge­gen­sei­ti­ger Re­spekt und Em­pa­thie über­haupt erst er­wach­sen kön­nen - sowie zu­min­dest ei­ne kon­kre­te und rea­li­sti­sche Per­spek­ti­ve auf ein aus­ge­wo­ge­nes Ver­hält­nis von Ge­ben und Neh­men, denn ge­nau das ist es, was mensch­li­ches Mit­ein­an­der aus­macht und da­mit auch das A & O ge­lun­ge­ner In­te­gra­tion dar­stell­te. Statt dessen legt Merkels Einwanderungspolitik bereits den Grundstein für miss­lin­gen­de Inte­gra­tion, denn es ist 'immigration to welfare' statt 'immigration to jobs' (übrigens schon seit Jahrzehnten), sie bringt das Ge­schlech­ter- Gleich­ge­wicht völlig durch­ein­an­der (ca. 20% Männer­über­schuss in den jungen Jahr­gän­gen bis­lang) und sie führt diametral ent­ge­gen­ge­setz­te kul­tu­rel­le Welten in einen er­bit­ter­ten Kon­kur­renz­kampf um Res­sour­cen wie Jobs für gering Quali­fi­zier­te, Woh­nun­gen und Frauen.

60 Mio Men­schen sind auf der Flucht, 630 Mio wol­len aus­wan­dern, 600 Mio sind un­ter­er­nährt, 2-3 Mrd le­ben in bit­ter­ster Ar­mut. Je­des Jahr kom­men 80 Mio hin­zu, al­lei­ne 30 Mio in Af­ri­ka, fast der kom­plet­te Zu­wachs ent­steht in ex­trem ar­men Län­dern.

Schon die­se paar Zah­len füh­ren Mer­kels schein­hei­lig hu­ma­ni­sti­sche Be­grün­dung ih­rer Flücht­lings­po­li­tik ad ab­sur­dum. An­ge­sichts die­ser mas­si­ven Pro­ble­me müss­te es es doch ober­stes Ge­bot sein, die ei­ge­nen Mit­tel so ef­fi­zient wie mög­lich zu ver­wen­den, also für das glei­che Geld, das hier im Lande in gro­ßem Stil und nob­ler Ge­ste für ei­nen ein­zi­gen Flücht­ling auf­ge­wen­det wird, für bis zu 30 Men­schen vor Ort bzw. in der Pe­ri­phe­rie von Kriegs­re­gio­nen et­was zu tun. Al­so für bis zu 30 Mio und da­mit die Hälf­te al­ler welt­weit auf der Flucht be­find­li­chen Men­schen statt für 1 oder 1,5 Mio hier. Um Hu­ma­nis­mus und Näch­sten­lie­be geht es der Kanz­le­rin und di­plo­mier­ten Phy­si­ke­rin folg­lich kei­nes­wegs.

Friedens­po­li­tik & Fair Trade

Nach­haltig humani­stisch wäre es darüber hinaus, zum einen eine aktive Frie­dens­po­li­tik zu be­trei­ben, statt selbst Waffen zu ver­kau­fen und Konflikte zu schüren oder Ag­gres­so­ren zu folgen und zum anderen im Sinne von fair trade / fair produce eine nach­hal­ti­ge Wirt­schafts­po­li­tik zu be­trei­ben. Dazu würde auch gehören, natio­nale und inter­natio­nale Konzerne an die Kandare zu nehmen und ihnen men­schen- und umwelt­freund­li­ches sowie nach­hal­ti­ges Wirt­schaf­ten auch in aus­län­di­schen Nie­der­las­sun­gen vor­zu­schrei­ben. Dazu gibt es nämlich Staaten und inter­natio­nale Or­ga­ni­sa­tio­nen wie die UN: Um Regeln zum Wohle und zur För­de­rung der fried­li­chen Ko­exi­stenz aller fest­zu­legen und ihre Ein­hal­tung durch­zu­set­zen (statt im Rah­men von TTIP, NAFTA oder CETA die Pri­vi­le­gien ei­ni­ger we­ni­ger ab­zu­si­chern ...). Das würde ganz im Sinne hu­ma­ni­sti­scher Ver­nunft am Ende allen nützen und zu Gute kommen. Merke: 630 Mio wol­len aus­wan­dern (bpb)

Derartige For­de­run­gen stellen etwa die AfD, aber auch Sahra Wagen­knecht und Oskar La­fon­taine, während die Linke insgesamt diese For­de­run­gen zwar eben­falls ver­tritt, sich zu­gleich aber im Gegen­satz zu La­fon­taine und Wagen­knecht für un­be­grenz­te Ein­wan­de­rung ein­setzt, was ein Wider­spruch ist (und ganz neben­bei auch noch offen­kundig in erheb­li­chem Aus­maß anti- deutsch, also ras­sis­tisch, moti­viert ist): Eine ganze Gesell­schaft im wahrsten Sinne des Wortes durch unbe­grenzte, massen­hafte Ein­wan­de­rung finan­ziell wie mental zu ver­aus­gaben und aus­zu­bluten und zu­gleich noch effek­tive Hilfe vor Ort zu leisten, geht nun mal nicht. Banken kön­nen Geld aus dem Nichts schöpfen - Staaten können das nicht.

Bevöl­ke­rungs­wachs­tum

Als drit­tes Stand­bein wäre noch - was gerne ver­ges­sen (oder ver­drängt?) wird, eine ver­nünf­ti­ge Bevöl­ke­rungs­po­li­tik zu nen­nen, sprich ein Ein­däm­men der Be­völ­ke­rungs­exp­lo­sion. Da sind aller­ding in erster Linie oder zumindest auch in erheb­li­chem Maße die­jeni­gen Staaten in der Ver­ant­wor­tung, in denen diese Ex­plo­sion statt­fin­det. In Afrika etwa hat sich die Ein­woh­ner­zahl seit dem WK2 inner­halb zweier Ge­ne­ra­tio­nen von 250 Mio auf über 1 Mrd. Köpfe ver­vier­facht, während sie in Europa und auch in China aufgrund der Ein- Kind- Politik nahezu stabil geblieben ist. Diese Selbst­be­schrän­kung der letzt­ge­nann­ten er­for­dert er­heb­li­che Opfer, was eben­falls gerne unter­schla­gen wird. Man kann aber nicht von denen, welche diese Opfer für die Welt­ge­mein­schaft er­brin­gen, ver­lan­gen, dass sie darüber hinaus für die Ver­säum­nis­se anderer gerade­stehen.

bevoelkerungsentwicklung Afrika
 

Kein Experte. Niemand

Kein Be­weis, aber ein sig­ni­fi­kan­tes In­diz da­für, dass es kein ein­zi­ges ver­nünf­tiges Ar­gu­ment für Mer­kels Po­li­tik gibt, re­sul­tiert aus dem Um­stand, dass es ne­ben der na­he­zu ein­hel­li­gen Ab­leh­nung, wel­che die­se Po­li­tik im eu­ro­päi­schen Aus­land und dar­über hin­aus welt­weit er­fährt, m.W. auch kei­nen ein­zi­gen nam­haf­ten Ex­per­ten gibt, al­so et­wa An­thro­po­lo­gen, Hi­sto­ri­ker, So­zio­lo­gen, Psy­cho­lo­gen, Phi­lo­so­phen oder Völ­ker­kund­ler, der die Po­li­tik Mer­kels gut­heißt. Nicht Hein­sohn (2), nicht Col­lier, nicht Sa­fran­s­ki, nicht Slo­ter­dijk, nicht Ba­be­row­ski, nicht Lü­ders, nicht Maaz, nicht Pat­zelt. Kein Ex­per­te. Nie­mand. Es sind immer nur Po­li­ti­ker, Wirt­schafts­füh­rer, Jour­na­li­sten oder Un­ter­hal­tungs­künst­ler, wel­che die­se Po­li­tik be­für­wor­ten. Al­so Lai­en. Pro­mi­nent und ah­nungs­los. Ent­we­der kar­rie­re­be­wusst oder pro­fit­ori­en­tiert, in­ter­es­sen­ge­lei­tet oder im Fal­le der Künst­ler in der Welt der großen Ge­füh­le bei ru­di­men­tär aus­ge­präg­tem Sinn für Rea­li­tä­ten be­hei­ma­tet. Letz­te­re stel­len durch­aus ei­ne Be­rei­che­rung dar - so­lan­ge sie die Fin­ger von der Po­li­tik und sich nicht für Pro­pa­gan­da­zwe­cke miss­brau­chen las­sen. Tun sie es doch, fal­len sie uns da­mit in der Re­gel zur Last

[Interessant: Die­ses für ge­gen­sei­ti­ges Ver­ständ­nis wer­ben­de Vi­deo - ein 15- mi­nü­ti­ges Plä­do­yer von Hans- Joa­chim Maaz in ei­nem Dres­de­ner Got­tes­haus An­fang März 2016 - war nur ein paar Stun­den on­li­ne. Die Nerven liegen blank ...]
 

Hans- Joa­chim Maaz in ei­nem Dres­de­ner Got­tes­haus
 

Die (Wie­der-)­ Auf­er­ste­hung der Quäker

Ein Ar­gu­ment gibt es aber doch, wel­ches in der Tat für Mer­kels Po­li­tik spricht. Al­ler­dings kein ver­nünf­ti­ges, son­dern ein re­li­giö­ses. Der Be­griff der christ­li­chen Näch­sten­lie­be wird ja durch­aus un­ter­schie­dlich in­ter­pre­tiert. Hier mal eine Bei­spiel für ei­ne eher prag­ma­ti­sche Aus­le­gung, wie sie über die Jahr­hun­der­te in die christ­li­che All­tags­pra­xis Ein­gang fand. Bei die­ser Aus­le­gung wird qua­si still­schwei­gend ein ge­mein­sa­mer Wer­te­ka­non vor­aus­ge­setzt, da­mit das Ge­bot der Näch­sten­lie­be zu einem wirk­li­chen Mit­ein­an­der füh­ren kann. Es gibt aber auch ein sehr viel ex­tre­me­res Ver­ständ­nis der christ­li­chen Leh­re, wel­ches be­din­gungs­lo­sen Pa­zi­fis­mus und un­ein­ge­schränk­te Be­reit­schaft zu Hin­gabe und Selbst­auf­op­fe­rung zum Leit­mo­tiv mensch­li­chen Da­seins erhebt. Ein sol­ches wird et­wa von den Quä­kern ver­tre­ten und etwa in dem be­kann­ten US- We­stern 'Friend­ly Per­sua­tion' (Lock­en­de Ver­su­chung) mit Ga­ry Coo­per, Do­ro­thy Mc­Gui­re, An­tho­ny Per­kins u.a. the­ma­ti­siert. Wer der Sekte oder Glau­bens­rich­tung der Quä­ker an­hängt, soll­te sich al­ler­dings im Kla­ren darüber sein, dass eine der­ar­ti­ge Ein­stel­lung im Wett­be­werb der Kul­tu­ren un­wei­ger­lich den Un­ter­gang der ei­ge­nen Kul­tur und Ge­mein­schaft be­wirkt, es sei denn, es fin­det sich ein außen­ste­hen­der Drit­ter, ein wei­ßer Rit­ter, der den Schutz der Glau­bens­ge­mein­schaft über­nimmt.

Da Deutsch­land Ar­mee und Po­li­zei be­sitzt, kann Quäker­tum aber schon mal nicht Staats­raison sein. Zudem ist Deutsch­land, soweit ich weiß, sogar laut Ver­fas­sung ein säkularer Staat, in dem Religion Privat­sa­che ist. Die Politik darf sich daher gar nicht auf die Lehre einer christ­li­chen Sekte berufen, um ihr Handeln zu legi­ti­mie­ren. Insofern ist die­ses Argu­ment ge­gen­stands­los.

Was Merkel und die Anhänger ihrer Politik auf­grund der Glau­bens­frei­heit in diesem Land immerhin tun dürften, wäre, privat und in eigener Regie soviele Men­schen bei sich und auf eigene Kosten und Ver­ant­wor­tung auf­zu­nehmen, wie sie wollen bzw. es bewäl­tigen können. Wenn wir mal davon aus­gehen, dass sich noch immmer ein Viertel oder Drittel der Menschen in Deutsch­land für unbe­grenzte Zu­wan­de­rung aus­spre­chen (im Sommer 2015 sollen es sogar über die Hälfte bis zu 2/3 gewesen sein), dann frage ich mich, warum diese Menschen nicht eigen­ver­ant­wort­lich handeln und ihr An­lie­gen selbst in die Hand nehmen. Wenn die Res­sour­cen der Deut­schen wirk­lich  un­be­grenzt sind, wie es aus diesen Kreisen immer wieder ver­laut­bart wird, dann sollten 25 Mio Quäker die nächste Million an Ein­wan­de­rern auch alleine be­wäl­ti­gen können.
 

Sün­den­böcke statt Selbst­kri­tik

Komischer­weise wollen sie das aber offenbar nicht und ich habe da einen Verdacht, warum das wohl so ist: Wirklich Verant­wor­tung möchte nämlich keiner übernehmen. Daher schustert man sie lieber dem Staat zu, in der phan­ta­sti­schen An­nahme, wenn der Staat die Ver­ant­wor­tung trüge, dann läge sie nicht bei einem selbst. Blöd nur, dass der Staat, jeden­falls in der Theorie, wir alle sind. Noch blö­der, dass das auch in der Pra­xis der Fall ist. Nicht im­mer, aber ganz ge­wiss dann, wenn es schief geht. Wer also den Staat für seine privaten Inter­essen oder in diesem Falle Über­zeu­gun­gen ein­spannt, bleibt in der Ver­ant­wor­tung, vor al­lem aber im Ri­si­ko und in der Haf­tung. Nur dass er un­be­tei­lig­te Dritte noch mit hinein zieht.

Und damit schließt sich der Kreis: Warum will jemand keine Ver­ant­wor­tung übernehmen? Weil er sich seiner Sache nicht sicher ist oder weil es ihm gar nicht um die Sache geht. Warum zieht er andere mit hinein? Um die Ver­ant­wor­tung zu­nächst auf meh­re­re Schul­tern zu ver­tei­len. Und was haben wir (ok, erstmal nur ich als These im Ein­gangs­ab­schnitt) oben fest­ge­stellt: Wer Irr­tümer nicht ein­ge­ste­hen mag, tut das zu dem Zwecke, Ver­ant­wor­tung von sich zu weisen und das Be­rei­ni­gen oder auch Aus­ba­den von Fehlern anderen zu­zu­schu­stern.

Das haben wir zuletzt bereits des öfteren erlebt: In der EU sind die 27 anderen Staaten der Sünden­bock dafür, dass es in der EU keinen Konsens gibt - nicht etwa der eine, der sämt­li­che Ver­ab­re­dun­gen und dazu auch noch Recht und Gesetz bricht. Für SPD und die Grünen ist je nach Stim­mungs­lage See­hofer der Sünden­bock, weil er Merkel in den Rücken fällt oder Schäuble, weil er nicht genug Geld locker macht. In Köln war die Polizei der Sünden­bock - die Politiker hingegen waren völlig über­rascht von dem, was alle Experten vor­her­ge­sehen und -gesagt haben. Und für Politik und die ÖR Medien allgemein sind 'Rechts­po­pu­li­sten' aller Art und Couleur der Sünden­bock, weil sie über­haupt alle mög­li­chen ebenso un­er­quick­li­chen wie ne­ben­säch­li­chen Dinge und Tabus wie etwa Straf­taten linker Extre­misten, Straßen- und Se­xual­kri­mi­na­li­tät durch Schein­flücht­lin­ge und Aben­teu­rer oder die Gefahr des Zu­sam­men­bruchs der Sozial­sy­ste­me thema­ti­sie­ren und darüber hinaus auch noch die al­lei­ni­ge Deu­tungs­ho­heit der öf­fent­lich- recht­li­chen Volks- und Um­er­zie­hungs­an­stal­ten über den po­li­ti­schen Kurs im Lande sowie die Al­ter­na­tiv­lo­sig­keit des welt­weit ein­zig­ar­ti­gen und daher not­wen­di­ger­wei­se einzig rich­ti­gen deut­schen Son­der­wegs in der Asyl-, Ein­wan­de­rungs- und Flücht­lings­po­li­tik in Zwei­fel zu ziehen wagen und damit die Ge­sell­schaft in min­de­stens mal zwei große Lager spalten.

Ein ver­söhn­li­ches Schluß­wort fällt mir mir im Mo­ment lei­der nicht ein. Was bleibt, ist die Hoff­nung auf ein Wun­der. In­so­fern blei­ben wir im­mer­hin am Ende des Ta­ges ein­an­der doch ver­bun­den ...
 

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neuland
2016-07-27, 17:38:00
So, ich habe dem Artikel nun noch mal ein facelifting verpasst und Demographie und Arbeitsmarkt besser kenntlich gemacht. Damit auch der schnelle Leo ;) bein nächsten Mal nicht wieder drüber hinweg lesen kann... ;)

neuland
2016-07-26, 10:02:47
Na ja, das ist schon drin, im Abschnitt Humanismus & Vernunft, aber zugegeben ein bisschen versteckt, also kaum zu sehen in der Buchstabensteppe dort. Vielleicht sollte ich es etwas deutlicher hervorheben und deulicher ausführen. Mal schaun ...
http://neuland.mustermann.org/migration/migration-diskurs-in-der-sackgasse.php#humanismus-und-vernunft

Leo
2016-07-22, 16:59:07
Dieser Artikel geht leider weder auf den Fachkräftemangel ein noch auf das Demographieproblem, denen Deutschland (angeblich) mit der Masseneinwanderung beikommen will. Aber keine Bange: 1 Mio Männer können das Demographieproblem nicht beheben, denn dazu bräuchte es Frauen, die Kinder gebären und Fachkräfte sind es ja nun auch nicht ganz so viele geworden wie ursprünglich angekündigt.

neuland
2016-03-18, 00:48:24
Ja, das sehe ich ebenso!
Verbindliche Volksentscheide könnten ein Korrektiv darstellen und uns so vor den schlimmsten Auswüchsen von Machtmissbrauch bewahren. Die Schweizer sind jahrhundertelang gut damit gefahren.

fruuf
2016-03-06, 11:42:59
Braucht kein Schlusswort, es trifft den Nagel auf den Kopf.
Allenfalls könnte man als Fazit die Ursache dieses Zustandes als Folge einer verkommenen parlamentarischen Demokratie bezeichnen, was dadurch entstand, dass die im Grundgesetz festgelegte Beteiligung der Bürger in Volksabstimmungen gem. Art.20 Abs.2 GG von den herrschenden Regierungen missachtet und verleugnet wurde.
Damit fehlte das Regulativ zur Korruptionsdynamik, die rein parlamentarischen Demokratien innewohnt.

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2017-03-05, Schelm

Medien und ihre Macht der Ma­ni­pu­la­tion

"Eng ver­knüpft mit dem Be­griff Ma­ni­pu­la­tion ist der Be­griff Macht. Wer ma­chen kann, dass an­de­re et­was ma­chen, der hat Macht. Wer mit Me­dien und Me­dien­schaf­fen­den zu tun hat, der soll­te die Be­son­der­hei­ten jour­na­li­sti­scher Pro­duk­tion und Me­cha­nis­men mög­li­cher Ma­ni­pu­la­tion un­be­dingt ken­nen."

Juni 1997, rhetorik.de

Flirt der Kul­tu­ren

Ko­exi­stenz & Kul­tur­ge­ne­se im Plu­ra­lis­mus

2017-02-16, Schelm

Die große Völ­ker­wan­de­rung

Bassam Tibi, deutsch- sy­ri­scher Po­li­tik­wis­sen­schaft­ler, zu Fra­gen von Mi­gra­tion und In­te­gra­tion:

"Integration er­folgt im­mer in et­was, das heisst in ein Ge­mein­we­sen mit kul­tu­rel­ler Iden­ti­tät. Wenn Deutsch­land sei­ne Iden­ti­tät ver­leug­net, ist die Fol­ge klar: eine Un­fä­hig­keit zur In­te­gra­tion."

2017-01-15 [10], baz

Der Neue Mensch

Zur trü­ge­ri­schen Vi­sion mensch­li­cher Voll­kom­men­heit - Es­say

2017-01-15, bpb

BAMF: Über 700.000 Asyl­an­trä­ge in 2016

Neu­re­gi­strie­run­gen von Zu­wan­de­rern aus Nicht- EU- Län­dern gab es in 2016 et­wa 300.000.

2017-01-11, Schelm

Merkels Tote

Der Terror- An­schlag von Ber­lin: Was wir dar­aus ler­nen – und man­che un­se­rer Po­li­ti­ker nie.

2016-12-24, BAZ

Keine Trauer­fei­er für die Ter­ror- Op­fer von Ber­lin

Trump über Merkel

Europe’s man problem

"... one crucial di­men­sion of this [mi­gra­tion] cri­sis has gone litt­le - no­ticed: [...] sex ra­tios. [...] As an­thro­po­lo­gist Bar­ba­ra Mil­ler has per­sua­sive­ly ar­gued, a nor­mal sex ra­tio is a 'pub­lic good' and there­fore de­serves state pro­tec­tion. For Swe­den — or any other Euro­pean coun­try — to wind up with the worst young adult sex ra­tios in the world would be a tra­ge­dy for Euro­pean men and wo­men alike."
2017-01-13 [1/11/16], Pol
Europa hat ein Män­ner­pro­blem
[2016-01-15], Huff

Über­gut­mensch

Asyl und hu­­ma­­ni­­tä­­re Hil­­fe für Kriegs­flücht­lin­ge oder Neu­an­sied­lungs­po­li­tik und Be­stands­er­hal­tungs­mi­gra­tion ?

2016-11-03, WM

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