Glaube und Religion

2015-09-05, Entwurf

Das ist ein Entwurf. Sind also vermutlich noch ein paar Fehler und Ungenauigkeiten darin. Vor allem natürlich Denkfehler... ;)
 

Ich war nie wirklich ein Atheist, sondern eher eine Art Agnostiker, also jemand, der zwar davon ausgeht, dass es Kräfte gibt, die unendlich viel mächtiger und einflussreicher sind als man selbst, um die man sich aber deswegen auch nicht weiter kümmern muss, weil man eh nichts dafür oder dagegen ausrichten kann. Und weil ich auch nie den Eindruck hatte, dass ich diese Krafte in irgendeiner kalkulierbaren Weise jemals würde beeinflussen können. Sie sind zwar irgendwie für alles zuständig und damit also auch für mich, spielen dabei aber gewissermaßen in einer ganz anderen Liga. Und warum sollten sie sich ausgerechnet für mich interessieren? Vermutlich haben sie wichtigeres zu tun. Also was solls - sie spielen ihre Spiele und ich meine...

Inzwischen bin ich zu der Überzeugung gelangt, dass wir Menschen offenbar etwas benötigen, an das wir glauben, und zwar schlicht, um unsere Überlebenschancen zu erhöhen. Das muss kein Gott, es kann auch eine Idee etc. sein. Meine Idee, der ich anhing und noch immer anhänge, ist die der Evolution und der Ethologie (welche einen Gott als Urgrund allen Seins immerhin mitnichten ausschließt). Ein in keiner Weise fassbarer, praktisch anonymer Gott, der sich nur in seinem Wirken und in einigen wenigen indirekt übermittelten Worten und Anweisungen inkarniert, ist aber nach aller Erfahrung nachhaltiger, weil er sich niemals als 'falsch' erweisen kann, wie es schon mit Ideen passiert sein soll... Etwa mit dem Kommunismus oder derzeit mit der Idee des unendlichen Wachstums, der Globalisierung als Wert an sich oder dem segensreichen Wirken freier Märkte...

Menschen ohne Glauben gibt es nicht. Im Zweifel ist der Glaube ein Ersatz für das verloren gegangene oder relativierte instinktive Wissen darum, was zu tun ist. Glauben ist also eine Art Preis, den man für die (tatsächliche oder mumaßliche) Wahlfreiheit des Handelns bezahlt.

Zur Religion wird der Glaube, wenn mehrer den gleichen Vorstellungen anhängen, eine Familie, Sippe etc. Religionen sind also ganz praktisch gesehen gemeinschafts- stiftend. In der Regel werden sie wohl nach und nach von 'guten', also fürsorglichen Patriarchen oder jedenfalls 'guten' Anführern gestiftet und verselbständigen, objektivieren und institutionalisieren sich dann im Laufe der Zeit. Und verlieren an Funktion und Strahlkraft in dem Maße, in dem die Anführer erfolglos sind oder sich vom Fußvolk entfernen...

Gesellschaften ohne Religion im Sinne eines mehr oder minder verbindlichen Kompasses für richtiges und falsches Verhalten gibt es nicht. Sie wären gar nicht überlebensfähig. Religion ist das einheitsstiftende Band, welches die Gesellschaft zusammenhält und sie stark und damit erst überlebensfähig macht. Gesellschaften ohne gemeinsamen Wertekompass und also ohne Zusammenhalt sind dagegen schwach und gehen unter und die Einzelnen darin mit ihnen.
 

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