Toleranz und Respekt

Gastbeitrag von Paul Frolov

2015-07-03
 

Wir leben in Zei­ten ba­by­lo­ni­scher Sprach­ver­wir­rung.

Toleranz Toleranz wird heu­te als voll­kom­men in­dif­fe­ren­tes Dik­tat all je­nen ge­gen­über ge­for­dert, die Gren­zen für wich­tig hal­ten. To­le­ranz wird als po­si­ti­ve Ei­gen­schaft in­stru­men­ta­li­siert und be­män­telt nichts an­de­res als das Prin­zip der Un­ter­wer­fung. Die Be­deu­tung (Un­ter­wer­fung und Auf­ga­be der ei­ge­nen Gren­zen) hat­te der Be­griff To­le­ranz als Denk­mo­dell we­der zu Zei­ten sei­ner Ent­ste­hung und Ver­brei­tung noch im Kern auch heu­te. To­le­ranz ist in ei­ner be­stimm­ten Pha­se von Kon­fron­ta­tion ein Mo­dell, es­ka­lie­ren­de Ge­walt zu mil­dern durch das Er­tra­gen von Aus­ein­an­der­set­zun­gen und Kon­flik­ten, OH­NE sei­ne ei­ge­ne Po­si­tion oder sei­ne ei­ge­nen Gren­zen auf­zu­ge­ben. Ge­nau in die­ser Pha­se der ge­gen­sei­ti­gen Aus­lö­schungs­dy­na­mik brau­chen wir To­le­ranz. Nicht als Dik­tat oder in­sti­tu­tio­na­li­sier­te NORM, son­dern als Aus­druck der Fä­hig­keit, der ge­gen­sei­ti­gen Ver­nich­tung in Ver­ant­wor­tung zu wi­der­ste­hen.

Respekt ist ein gedank­li­ches Modell, was heute fast ver­schwun­den ist aus den De­bat­ten und dem Denken. Das hat gute Grün­de... Es ist ex­trem ge­fähr­lich, Respekt als Idee zu ver­brei­ten. Denn damit wird der zyni­sche To­le­ranz­un­fug der ge­gen­sei­ti­gen De­for­ma­tion und Ent­gren­zung be­en­det und die Gruppen­iden­ti­tä­ten werden auf­ge­löst im gegen­sei­ti­gen An­er­ken­nen der In­di­vi­du­en. Re­spekt ist hoch­ge­fähr­lich für al­le die­je­ni­gen, wel­che die Herr­schaft auf­recht­er­hal­ten oder vom Herr­schafts­sy­stem pro­fi­tie­ren. Das gilt für die Wort­füh­rer der Frie­dens­sol­da­ten­be­we­gung ge­nauso wie für die Pa­trio­ten vom Schla­ge "wir sind EIN Volk" und eben­so für die Pro­pa­gan­di­sten einer gren­zen­lo­sen "Be­frei­ung". All die­se Spe­zies ste­hen nur für eines: für den Er­halt ih­rer ei­ge­nen Gel­tung durch die Sug­ge­rie­rung von Grup­pen­iden­ti­tä­ten und die Le­gen­de von de­ren Be­dro­hung.
 

Was wir alle fühlen und nicht in Worte fassen können, ist eine reale Bedrohung unserer jeweiligen Zugehörigkeiten und identitätsstiftenden Vorstellungswelten und Werte. Der Wahn grassiert wie ein Virus und infiziert unsere besten und engagiertesten Zeitgenossen. Lasst Euch nicht verarschen. Der Mensch kann einmal einem Betrüger vertrauen, ohne ein Dummkopf zu sein. Tut er es ein zweites Mal... hat der Dummkopf das "verdient". Heute haben wir in der Runde der Experten unter hunderten einen, der Toleranz oder Respekt verstanden hat - und hunderte, die es brilliant erklären können...

Aber wir sind es, die fühlen, dass etwas nicht stimmt und wir sind es, die mit oft einfachen Worten die Komplexität der Krise erfassen können. Unsere Intuiton verschafft uns Zugang zu einem Impuls, der Wahrhaftigkeit von Ideologie trennt. Und dieser Impuls lässt sich nicht leugenen, er besteht in unserer tiefen Gewissheit der Würde aller Menschen. Die gegenwärtige Krise trägt diese Gewissheit ins Bewusstsein, wir alle !!! sind ein Teil davon. Wir haben nur uns, und das ist das großartigste, was wir an Fülle und Freude wählen können.

Lasst uns nicht das Gegeneinander aus dem gescheiterten Miteinander wählen, nur weil wir das NEBENEINANDER noch nicht denken können. Die Vordenker aller Jahrhunderte haben Krisen als Ausdruck von Stagnation lebensbezogener Entwicklungen gewertet. Sie haben es uns vorgemacht - und auch, dass die Krise eine Chance ist.

Die Krise ist der Weg, Zuversicht die Kraft und Wahrhaftigkeit das Ziel!
 

Ge­ring­fü­gig re­dak­tio­nell be­ar­bei­tet. - Gast­bei­trä­ge ge­ben nicht un­be­dingt die Mei­nung des Her­aus­ge­bers wie­der.

 

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